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Der Niklasberg
Zur Geschichte der St. Nicolaikirche Chemnitz

Die Gründung der Nikolaikirche geht vermutlich in die Mitte des 12. Jahrhundert zurück, urkundlich erwähnt wird sie jedoch erst im Jahr 1331, im Zusammenhang mit der königlichen Rechtsprechung für die Klosterdörfer, dem Landthing, welches zu diesem Zeitpunkt wieder auf den Nikolaikirchhof zurückverlegt wurde.

Die Nikolaikirche gehörte ursprünglich nicht zur Stadt Chemnitz und lag Jahrhunderte ungeschützt vor deren Mauern. Zum Pfarrbezirk von St. Nikolai zählten die Ortschaften Niklasgasse, Kappel, Helbersdorf, Schönau, Neustadt, Höckericht, Altendorf und das verschollene Borssendorf. Altchemnitz war Filial von St. Nikolai und besaß seit Alters her ein eigenes Gotteshaus.

Im Jahr 1487 wurde die zum Großteil hölzerne Nikolaikirche ein Raub der Flammen, ebenso in den Jahren 1519 und 1532. Im Schmalkaldischen Krieg musste die Kirche abgerissen werden, um feindlichen Soldaten keinen Schutz zu bieten. Danach kaum wiedererrichtet, brannte die Nikolaikirche im Jahre 1632 während des Dreißigjährigen Krieges abermals. 1634 legte man die Fundamente für eine neue Kirche, die in Form und Ausstattung zunächst sehr bescheiden ausfiel und erst 1692 für die Glocken einen Dachreiter erhielt. In den Jahren 1749/50 und 1789 erfolgten Erneuerungsarbeiten am Gotteshaus, der Innenraum wurde dem dringenden Bedarf entsprechend auf 550 Sitzplätze eingerichtet.

Die alte Orgel versagte im Jahr 1836 und konnte nur notdürftig wieder zum Klingen gebracht werden. Eine neue Orgel, hergestellt vom Orgelbaumeister Göthel in Borstendorf, konnte 1859 in Betrieb genommen werden.

 
Am 1. Juli 1844 wird die Niklasgasse als "Nikolaivorstadt" ein Teil der aufstrebenden Industriestadt Chemnitz. Die Gemeinde war mittlerweile stark angewachsen und das kleine Gotteshaus genügte auf Dauer nicht mehr den Ansprüchen der Zeit. Zudem wurde die stets überfüllte Kirche auch wieder baufällig und musste zum Verdruss der Gemeinde am 20. Januar 1882, ohne Abschiedsgottesdienst und -geläut, sogar baupolizeilich geschlossen werden. Ende 1884 waren die Reste der alten Kirche beseitigt. Ein Neubau wurde zur dringenden Notwendigkeit. Die meisten eingepfarrten Ortschaften waren gegen den alten Standort, trennten sich 1885 von der Muttergemeinde St. Nikolai und errichteten sich eigene Gotteshäuser, nur Helbersdorf und natürlich die Nikolaivorstadt blieben dem historischen Kirchplatz treu, Kappel musste nach dem Entscheid der oberen Kirchenbehörde bei St. Nikolai verbleiben und an alter Stelle den Neubau unterstützen.

 
Am 28. April 1886, nachdem die umfangreichen Geländeveränderungen und - befestigungen sowie die Auffahrten und Treppenanlagen fertig gestellt waren, konnte der Grundstein für die neue Nikolaikirche gelegt werden. Den Entwurf für das neugotische Bauwerk mit seinem 71 Meter hohen schlanken Glockenturm hatte der Dresdner Architekt Christian Schramm geliefert, damit den 1. Preis erhalten und die Chemnitzer Nikolaikirche wurde zu seinem Referenzobjekt, für weitere Kirchen als Vorbild dienend.

 
Am 12. September 1887 erfolgte die Weihe von drei Bronzeglocken, hergestellt von der Firma Bierling in Dresden, Tonfolge ES-G-B. Zur Weihe der Kirche kam es dann am 7. März 1888. Zunächst besaß die Kirche eine Orgel der Fa. Jehmlich aus Dresden, nach umfangreichen Erneuerungsarbeiten im Kircheninneren 1934-35, wurde eine neue größere Orgel der Fa. Schmeißer aus Rochlitz aufgestellt. Das Geläut von 1887 musste die Gemeinde, bis auf die kleinste Glocke 1917 dem 1. Weltkrieg als Metallspende opfern. Ein neues Geläut aus Gußstahl konnte am 9. Juli 1922 geweiht werden, hergestellt in Bochum.

 
Mit der kriegsbedingten Zerstörung der Stadt Chemnitz am 5. März 1945, ging auch die St. Nikolaikirche samt der beiden Pfarrgebäude im Feuersturm und Bombenhagel unter. Sicher hätte die Kirche wieder aufgebaut werden können, ihr Turm war nur ausgebrannt, dagegen hatte das Kirchenschiff größere Schäden aufzuweisen. Doch die materiellen und politischen Verhältnisse der Nachkriegsjahre ließen einen Wiederaufbau nicht zu. 1947 wurde der Turm gesprengt und die Restruine bis 1948 beseitigt. Die Nikolaigemeinde verband sich 1945 mit ihrer Tochtergemeinde St. Thomas in Kappel, dort gab es noch ein Pfarrhaus mit Gemeindesaal und einen gemeinsamen Gottesacker, auf dem 1891/92 eine große kirchenähnliche Kapelle errichtet worden war.

Bald wurde diese umgebaut und als Gottesdienststätte genutzt, letztlich nach weiteren Umbaumaßnahmen am 12. September 1999, vom Landesbischof zur Kirche St. Nikolai geweiht. Neben der Kirche befindet sich ein Glockenhaus, dort wurden 1963 drei Bronzeglocken geweiht, die mit ihrer Tonfolge Es-G-B an die Nikolaiglocken von 1887 erinnern sollen. Die Nikolaiglocken von 1922 wurden 1947 samt Glockenstuhl aus dem ausgebrannten Turm geborgen, nach Thum verkauft, konnten dort am 24. Dezember 1948 neu geweiht werden.
Autor: Stefan Weber
Türmer Stadt Chemnitz
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